Mit dem Rücken zum Licht.
Ich habe in meinem Wohnzimmer eine kleine Leseecke: Sessel, Lampe, Buch, fertig. Diese Ecke lockt im Sommer bei offenem Fenster jedoch nicht nur Leseratten an, sondern auch diverse flugfähige Insekten. Aber warum werden eigentlich Motten, Mücken und Meldenflureulen (das sind Falter und keine Vögel) fast magisch von Lichtquellen angezogen?
Diese Frage stellten sich auch immer wieder Forschende und lieferten in der Vergangenheit unterschiedliche Antworten für das Phänomen: Einer der bekanntesten Theorien zufolge nutzen nachtaktive Insekten den Mond als Orientierungspunkt. Künstliche Lichtquellen können jedoch von den Insekten als Mond fehlinterpretiert werden, was zu einer spiralförmigen Annäherung an die Lichtquellen führen kann. Bis sie schließlich auf unserer Leselampe sitzen.
Einer anderen Theorie zufolge suchen die Tiere nach Freiräumen zwischen Hindernissen, also beispielsweise einer Lücke zwischen Ästen und Blättern. Auch hier dient das Mondlicht bzw. der relativ helle Himmel als Orientierung und wird diesmal sogar direkt angesteuert. Tja, auch wenn beide Theorien schlüssig klingen, sind sie offenbar nicht die Erklärung für den üppigen Flugverkehr um unsere Lampen.
Denn einer Forschungsgruppe ist es 2024 gelungen, etwas mehr Licht ins Mondlicht zu bringen. Die Flugbewegungen von Insekten, die in dunkler Umgebung sehr schnell um eine Lichtquelle herumfliegen, präzise zu dokumentieren, ist nämlich ziemlich herausfordernd und erst durch neuste Kameratechnik möglich geworden.
Die Forschenden fanden heraus, dass sich die Tiere weder spiralförmig noch linear der Lichtquelle nähern, was gegen die bisherigen Theorien spricht. Vielmehr richteten die Insekten ihre Rücken zur künstlichen Lichtquelle aus und umkreisten sie anschließend. In der Natur sorgt dieses Verhalten dafür, dass die Tiere zu jeder Zeit ihren Rücken zum Himmel, also nach oben, ausrichten. Zwar ist für uns Menschen durch die Gravitation meist klar, wo oben und unten ist. Für schnellfliegende, leichte Insekten reicht die Erdanziehungskraft hingegen nicht immer zur Orientierung aus. Die Ausrichtung am relativ hellen Himmel ist hingegen eine schnelle und zuverlässige Methode, die Orientierung zu behalten. Zumindest solange, bis der Mensch selbstleuchtende Gartenzwerge erfunden hat. Also am besten einfach mal unnötige Lichtquellen im Garten und auf dem Balkon ausschalten. Darüber freuen sich übrigens nicht nur fliegende Insekten, sondern auch viele andere Tiere und Pflanzen.