Kann man Politiker:innen ansehen, wie korrupt sie sind?
…Vielleicht ja! Denn der Ökonomie-Professor Pavlo Blavatskyy (Montpellier Business School, Frankreich) hat 2020 eine Studie veröffentlicht, in der er einen Zusammenhang zwischen den Body-Mass-Indizes (BMI) von Minister:innen und der Korruption in 15 Ländern der ehemaligen Sowjetunion beschreibt.
Warum hat er das getan? Grundsätzlich ist es sehr schwierig, wenn nicht sogar gefährlich, die Korruption in einem Land direkt zu messen. Denn korrupte Menschen haben meist wenig Interesse daran, dass ihre Bestechlichkeit öffentlich wird. Daher werden Korruptions-Indizes in der Regel auf der Grundlage von Expert:innen-Befragungen erstellt. Solche Befragungen sind jedoch mit Unsicherheiten behaftet. Außerdem gibt es über einige Länder schlichtweg nicht ausreichend Daten, um einen Korruptions-Index zu berechnen.
Aber wie ermittelt man den BMI von Minister:innen? Denn während die Körpergröße kein großes Geheimnis ist und sich im Zweifel leicht schätzen lässt (Friedrich Merz ist beispielsweise fast so groß wie eine Tür, nämlich etwa 1,96 m!), ist das Körpergewicht für viele Menschen ein intimes Geheimnis. Aber da wir in Zeiten von Machine Learning leben, gibt es natürliche clevere Algorithmen, die aus einem Portraitfoto näherungsweise den BMI berechnen können. Und Portraitfotos gibt es reichlich von Politiker:innen. Mit Hilfe solch eines Algorithmus hat Blavatskyy näherungsweise die BMIs von Politiker:innen ermittelt und mit klassischen Korruptions-Indizes verglichen.
Und tatsächlich konnte er eine deutliche Korrelation zwischen den mittleren BMIs von Minister:innen und den entsprechenden Korruptions-Indizes zeigen. Beispielsweise liegt der BMI von estländischen Minister:innen durchschnittlich bei 28,7 und der Corruption Perceptions Index bei 71/100 Punkten. Damit hat Estland nicht nur die am wenigsten übergewichtigen Minister:innen, sondern auch die am wenigsten korrupten. Auf dem letzten Platz der Studie landet Usbekistan mit einem mittleren BMI von 35,5 und einem Korruptions-Index von 22/100 Punkten. Zum Vergleich: Deutschland hatte im gleichen Jahr (2017) einen Korruptions-Index von 81/100 Punkten. Auf dem ersten Platz lag mit 89/100 Punkten Neuseeland, dicht gefolgt von den skandinavischen Ländern und der Schweiz.
Was lernen wir nun daraus? Korruption ist nicht nur schlecht für Gesellschaft, Staat und Wirtschaft, sondern auch ungesund!
Und noch ein wichtiger Hinweis: Diese Studie stellt eine Korrelation zwischen länderspezifischen Korruptions-Inidizes und den mittleren BMIs von Minister:innen her. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Politiker:innen mit hohem BMI korrupt sind. Gleichermaßen können Politiker:innen mit niedrigem BMI durchaus bestechlich sein.