Seit einiger Zeit begleitet mich bei meinen Science Slams ein kleines, gelbes Notizbuch. Zum einen tatsächlich als Notizbuch (Überraschung!), in das ich Zeitpläne, neue Ideen und Abläufe reinkritzle. Zum anderen als Requisite. Denn nach meinen ersten Auftritten habe ich nach einem Weg gesucht, meine klassische (aka langweilige) Einleitung zu umgehen. Irgendwann kam mir dann die entscheidende Idee: Wie wäre es, wenn ich die übliche Begrüßung des Publikums einfach weglasse und es stattdessen direkt in die Kalahari-Wüste zerre? Dort würde ich es dann spüren lassen, wie es sich anfühlt, ein handballgroßes Spinnen-Nest direkt vor dem eigenen Gesicht zu entdecken!
© EWG/Claudia Anders
Was vielleicht etwas brutal klingt, nennt sich „in medias res“ und ist eine Erzählform, bei der man direkt in die Handlung springt, anstatt die Geschichte in chronologischer Reihenfolge zu erzählen. Umgesetzt habe diese Methode auf der Bühne, indem ich aus meinem (sehr dramatischen) „Tagebuch“ vorlese. Einmal zu Beginn und einmal zum Schluss meines Auftritts. Damit habe ich nicht nur einen spannenden und ungewöhnlichen Einstieg geschaffen, sondern liefere dem Publikum auch eine klare Rahmung meiner Geschichte.
Ganz netter Nebeneffekt dieser Methode: Man kann in diesen Szenen seinen Text nicht vergessen. Nicht so netter Nebeneffekt dieser Methode: Man bekommt ausschließlich Fotos von sich aus immer dem gleichen Bühnenmoment. Immerhin hält man gerade ein kleines, gelbes Notizbuch in den Händen…